Sprechen - Spielen - Freude haben - mit den Papageien Ara, Aurelia und dem kleinen Anton

Kindergartenkinder in der Sprachentwicklung begleiten und stärken
Veröffentlicht am: 17. August 2021
Aktualisiert am: 21. September 2021
Lesezeit: 10 min
Preis: € 7,00

Sprechen - Spielen - Freude haben - mit den Papageien Ara, Aurelia und dem kleinen Anton

Inhalt

Wie starte ich am besten?
Aufbau meiner Sprachfördereinheit
Die erste Sprachmünze “Kennenlernen”
Materialien
Einführungsgespräch
Namensspiele
Kochtopfspiel
Neues aus der Schatzkiste
Zum Abschluss
Mein Ara Lied
Fortsetzung folgt…

Eigentlich bin ich ausgebildete Kindergartenpädagogin. Eigentlich hatte ich auch ausreichend berufliche und familiäre Erfahrungen in Bezug auf pädagogische Tätigkeiten mit Kindern gesammelt.

Als ich dann 2009 von der Leiterin eines Kindergartens gefragt wurde, ob ich nicht die Sprachförderung in der Einrichtung übernehmen könnte, war ich sofort voller Begeisterung und viele großartige Ideen schwirrten mir im Kopf herum. Ich bin sehr zielstrebig und ehrgeizig und manche sagen sogar, ich gehöre zu den Perfektionisten. Nur so “a bisserl Sprachförderung“ zu machen, passte damals nicht zu meiner Lebenseinstellung und tut es bis heute nicht.

Meine Euphorie wurde aber sehr schnell getrübt. Na ja, die Kinder fanden meine Sprachlernpläne nicht ganz so großartig wie ich und es war viel lustiger, unter dem Tisch herumzukrabbeln, als mir aufmerksam zuzuhören. Sie konnten sich nicht für die, in meinen Augen, großartigen Ideen der Sprachförderung begeistern. Ich war fix und fertig und zweifelte an meinen pädagogischen Fähigkeiten. Versuch mal einem Kind, das kaum Deutsch sprechen kann oder das Sprechangst hat, zu erklären, dass es jetzt aufmerksam zuhören, sich am besten alles merken und dann noch begeistert sprechen soll. Noch dazu sind meist 4 Kinder oder mehr in der Kleingruppe anwesend.

Die kleine Marlene, ein Kind mit deutscher Muttersprache zum Beispiel, hat einige Wochen kein Wort mit mir gesprochen. Ich fragte mich: “Kann sie nicht? Will sie nicht? Versteht sie mich nicht? Liegt es an mir?” Kein Laut kam über ihre Lippen, nur ab und zu ein kurzes Nicken mit dem Kopf.

Milan, Muttersprache türkisch, war das komplette Gegenstück von Marlene: Er hörte nicht zu, sprach viel, teilweise türkisch, teilweise deutsch und kraxelte einfach unter den Tisch, wann immer er wollte. Du kannst dir jetzt sicher besser vorstellen, dass es gar nicht so einfach ist, frühe sprachliche Förderung in der Praxis umzusetzen. Ich habe schnell gemerkt, wenn ich nicht das Vertrauen der Kinder gewinnen kann, dann ist es sehr schwer sie zu begeistern und die Sprechfreude zu wecken - das funktioniert schon gar nicht. Kurzum, mir fehlte einfach das linguistische Grundwissen und es gab auch kein wirkliches Konzept, an dem ich mich hätte orientieren können.

Ich denke mein Ehrgeiz hat mich vorangetrieben und ich stellte mir die Frage: “Wie kann ich die Kinder besser motivieren und begeistern? Wie kann ich meine tollen Ideen so verpacken, dass die Kinder mit Freude meine Sprachförderstunden besuchen?”

Zuerst beschloss ich, die Ausbildung zur frühen sprachlichen Förderung auf der Pädagogischen Hochschule in Linz zu machen, um mir das notwendige theoretische Wissen anzueignen.

Vielleicht spielt manchmal auch das Unterbewusstsein mit, denn ich entdeckte in einem Blumengeschäft einen Papagei, der vor sich hin krächzte, wenn ein Kunde ins Geschäft kam. Mein Geistesblitz: “Wenn ich es nicht schaffe, die Kinder zu begeistern, könnte das vielleicht ein Sprachpapagei Ara!” Natürlich blieb der Papagei im Blumengeschäft, aber ab diesem Zeitpunkt unterstützte mich mein Kuscheltier “Ara der Papagei”.

Mittlerweile ist daraus die Papageien-Familie “Ara, Aurelia und der kleine Anton” geworden, die mich in jeder Sprachfördereinheit begleitet. Die drei sind neugierig und oft richtige Spaßvögel. Mit Hilfe der Papageien kann ich die Kinder schnell in ein Gespräch verwickeln und erfahre viel über den Sprachstand und auch einiges über die aktuellen Vorlieben und die Persönlichkeit des Kindes.

Ich habe in den letzten 12 Jahren sehr viel Erfahrung bezüglich effektiver sprachlicher Förderung im Kindergarten gesammelt und so ist mein eigenes Konzept entstanden.

Die Kuscheltiere sind meine Papageienfamilie und unterstützen mich in unterschiedlichster Form bei jeder Sprachförderstunde. Jeder für sich hat seine speziellen Charaktereigenschaften. Ara ist der besonders kluge Papagei. Aurelia versteht manchmal etwas nicht richtig und will immer alles ganz genau wissen. Der kleine Anton ist oft übermütig, ziemlich neugierig und liebt lustige Spiele. Besonders in der ersten Sprachstunde sollte der Spaß und die Freude am Sprechen das vorrangige Ziel sein. Wichtig ist mir, dass sich die Kinder nicht bedrängt fühlen, sondern ich versuche, sie spielerisch zum Sprechen zu motivieren. Wenn nach der ersten Einheit die Kinder begeistert aus dem Raum spazieren, hab ich das Vertrauen der Kinder gewonnen und der erste Schritt zur Sprechfreude ist für mich gesetzt.

Mein Motto:

Sprechfreude und Begeisterung wecken - das Wichtigste!

Ich habe mir auch im Laufe der Jahre viele einfache, schnell einsetzbare Materialien und Methoden überlegt, wie ich bei den Kindern spielerisch die Freude und Begeisterung am aktiven Sprechen wecken und trotzdem auch auf den einzelnen individuellen Förderbedarf eingehen kann.

Ganz einfach: Ich mache Sprachförderung mit allen Sinnen, mit Bewegung, mit vielen Wiederholungen, die in unterschiedlichen kostengünstigen, meist selbst gestalteten Spielen verpackt sind. Materialien, die sowieso in jeder Kindergarteneinrichtung vorhanden sind kommen zum Einsatz. Grundvoraussetzung ist für mich, dass die Kinder Spaß an der Sprache haben, denn alles was man mit Freude macht gelingt besser und ist nachhaltig.

Ich werde in absehbarer Zeit in Pension gehen und stellte mir die Frage: „Was passiert mit meinem durchdachten Konzept und mit all meinen gesammelten Ideen und Sprachspielen?“ Es wäre doch schade, wenn mein Wissen und mein Erfahrungsschatz im Keller verstauben würde. Ich denke, dass meine Art der Sprachfördergestaltung auch für andere PädagogInnen und vielleicht auch für Eltern hilfreich sein könnte und möchte dir hiermit gerne alle meine Erfahrungen als sogenanntes „Werkzeug“ in die Hand geben.

Mein Kopfkino

Sprachförderung im Kindergarten soll ganz sicher nicht im Sinne von Unterricht stattfinden und es darf auch nicht der Charakter einer Therapiestunde entstehen. Es ist gar nicht so leicht, die Einheiten lustvoll und spielerisch zu gestalten, die Kinder nicht zu überfordern, die Bedürfnisse und den aktuellen Sprachstand der Kinder zu berücksichtigen und alles in der vorgesehenen Vorbereitungs- und Arbeitszeit unterzubringen.

Sprache lernt man am besten in alltäglichen Situationen, spielerisch und im beständigen Tun. Ich versuche auch genügend Zeit für jedes Kind zu haben, um gut zuzuhören und auf die speziellen Bedürfnisse eingehen zu können.

Besonders bewährt hat sich die Form der Kleingruppe. Ich arbeite mit maximal 3-4 Kindern in einem Nebenraum, in dem auch Bewegung möglich ist. Ich denke, dass es in jedem Kindergarten Plätze gibt, wo ungestörtes Kommunizieren und Experimentieren mit Sprache möglich ist. Vor allem kann ich so am effizientesten auf die speziellen Sprachbedürfnisse, Stimmungen und Sprachdefizite der einzelnen Kinder eingehen. Des Öfteren dürfen auch Kinder ohne Sprachförderbedarf meine Fördereinheiten besuchen.

Mich haben die positiven Rückmeldungen der Kindergartenpädagoginnen, die Begeisterung, die Freude und die sprachlichen Fortschritte der Kinder dazu motiviert, immer wieder Neues auszuprobieren. Auch viele Kolleginnen haben meine Anregungen als zusätzliche Impulse für ihre Arbeit im Kindergarten genutzt.

Ich freue mich sehr, wenn mein praktisches Wissen und meine Erfahrungen vielen Kindern zugutekommen und ich einen wertvollen Beitrag bei den zurzeit aktuellen Herausforderungen bezüglich früher sprachlicher Förderung leisten kann.

Jede meiner Erfahrungen auf Ken beinhaltet praktische Tipps und viele Anregungen zu unterschiedlichen Themen und Lernzielen bei der Sprachförderung. Du darfst und sollst damit experimentieren, um deine Einheiten dem Sprachstand der Kinder anzupassen. Kurzum: Mein Konzept soll für dich ein Werkzeug sein, welches anpassungsfähig und schnell griffbereit ist.

Aus Urheberrechtsgründen darf ich natürlich keine Übungsblätter oder Kopien von Sprachspielen veröffentlichen. Ihr findet da sicher im Internet die passenden Unterlagen und Übungsblätter. Ich darf euch aber sehr wohl Tipps geben, welche Sprachspiele sich bewährt haben, vielseitig einsetzbar und bei den Kindern sehr beliebt sind.

Meine Sprachfördereinheiten orientieren sich an den aktuellen Instrumenten der Sprachstandsfeststellung in den österreichischen Kindergärten.

  • BESK KOMPAKT Beobachtungsbogen zur Erfassung der Sprachkompetenz – Deutsch als Erstsprache (DaE)

  • BESK-DAZ KOMPAKT Beobachtungsbogen zur Erfassung der Sprachkompetenz – Deutsch als Zweitsprache (DaZ)

Siehe auch: https://www.bmbwf.gv.at/Themen/ep/sf.html

Da ich meine ganzen Erfahrungen erst in Worte packen muss, bitte ich dich um etwas Geduld, dass anfangs nicht gleich zu jedem Thema ein Artikel zur Verfügung stehen kann. Ich habe mein Konzept in sogenannte Sprachmünzen eingeteilt, die sich an den verschiedenen aktuellen Themen im Kindergartenjahr oder an verschiedenen Lernzielen orientieren.

In meiner ersten Sprachmünze möchte ich meine Erfahrungen teilen, die dir beim Start deiner Sprachfördereinheiten sehr behilflich sein können:

  • Wie starte ich am besten?
    Überblick, Dokumentationsmappe, Die geheimnisvolle Schatzkiste der sprechenden Papageien, Schatzkarte, Die Sprach-Spiel-Kiste

  • Aufbau meiner Sprachfördereinheit
    Begrüßung, Rituale, Wiederholungen, Neues aus der Schatzkiste, Ausklang der Sprachfördereinheit

  • Erste praktische Sprachmünze: Praktische Anregungen zum Thema “Kennenlernen”
    Materialien, Ideen, Spiele, Gesprächsanreize…

Neugierig geworden? Wenn du im Kindergarten im Bereich der Sprachförderung arbeitest und du wissen möchtest, wie du das am besten hinkriegst oder dich dieses Thema einfach privat interessiert, dann lies weiter und lass dich inspirieren.

Das ist nicht das Ende

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